Innenfinanzierung Bootstrapping

Bootstrapping, Innenfinanzierung, interne Finanzkraft und Cash Flow sind die Themen, denen sich junge Unternehmen und Gründer stellen müssen. Meist beginnt ein junges Unternehmen mit einer Geschäftsidee und Produkten oder Leistungen, die sich aber noch am Markt durchsetzen müssen. Der Zugang zu Fremdkapital setzt jedoch in der Regel Bonität, Sicherheiten, gestandene Unternehmerpersönlichkeiten und ein bewährtes Geschäftsmodell voraus. Was den Gründern in der Startphase bleibt, ist eine sehr enge Innenfinanzierung, die man manchmal durch Lieferantenkredite erweitern kann.

Definition Bootstrapping – eine moderne Option der Innenfinanzierung für Start Ups

Bootstrapping ist eine Finanzierungsart, die ganz ohne externe Finanzierung, also ohne Fremdkapital auskommt. Der Begriff stammt aus dem englischsprachigen Start Up Umfeld. Die wörtliche Übersetzung ist „Stiefelriemen“. Sinngemäß könnte man den Begriff so übersetzen: „Sich für den langen Marsch rüsten“ oder „sich auf den Weg einstellen“. Gemeint ist also, das junge Unternehmen sich so organisieren, dass sie ihren Weg mit dem eigenen Schuhwerk, also den eigenen Möglichkeiten gehen können. Mit anderen Worten gesprochen ist Bootstrapping eine rigide Form der Innenfinanzierung, die sich ganz danach ausrichtet, immer Break Even zu arbeiten und nur den positiven Cash Flow für die Aufrechterhaltung und Erweiterung des Geschäftes einzusetzen.

Berechnung Bootstrapping – Wie funktioniert das Bootstrapping?

Wie funktioniert Bootstrapping?

Wenn Unternehmer sich für diese sehr enge Art der Innenfinanzierung entscheiden, haben sie nicht nur stark begrenzte finanzielle Mittel, sondern auch einen engen Zeitplan und eine begrenzte Menge an Ressourcen zur Verfügung. Das bedeutet, dass die Unternehmer Monat für Monat genau wissen müssen, wo sie wirtschaftlich stehen. Sie brauchen jedoch auch einen zuverlässigen Blick auf die wirtschaftlichen Ergebnisse und Anforderungen der kommenden Monate. Sie sind sozusagen ein Kapitän, der sein Schiff „auf Sicht“ steuert.

Die erste Empfehlung ist also, so schnell wie möglich in den Markt einzusteigen und operativ tätig zu werden.  Das Ziel ist, sofort Erträge und positive Cash Flows zu erarbeiten. Die Maßgabe ist, stets die Mindestumsatzgrenze zu überschreiten. Die Strukturen und Maßnahmen orientieren sich an dem Moment. Die Ausgaben richten sich nach den Einnahmen.

Damit ein Unternehmen liquide bleibt, müssen sämtliche Kosten minimiert werden, auch wenn dies für den Gründer ein sehr unwirtschaftliches Arbeiten mit sich zieht. Das Wachstum des Unternehmens beruht alleine auf der Reinvestition realisierter Gewinne sowie der schnellen Realisierung von Warenlagern und Forderungen.

Was sind die notwendigen Daten und Berechnungen für erfolgreiches Bootstrapping?

Die Ausgangsbasis ist eine sehr enge monatliche Planung der erreichbaren Umsätze. Daraus leiten sich ebenfalls die monatlichen direkten Kosten für Material, Fremdleistungen, Herstellung und Warenabgabe ab. Die Restgröße, also die Deckungsbeiträge, könnten für die Strukturkosten eingesetzt werden, wenn keine Bestandsveränderungen entstehen und der Zahlungseingang sehr kurzfristig ist. Junge Unternehmer müssen jedoch immer damit rechnen, dass sie das Material nicht komplett auftragsbezogen bestellen können. Manchmal erfordert der Fertigungsprozess im Haus oder beim Lieferanten, dass die Gründer eine Charge beziehen und ans Lager legen und daraus die Kundenbestellungen bedienen müssen. Je stärker dies der Fall ist, desto schmaler muss das Sortiment sein. Jeder weitere Artikel im Sortiment bindet wieder zusätzliche Finanzmittel in den Lagerbeständen.

Als Daten sind also die sehr zeitnah und exakt geführte Buchhaltung mit einem stets korrekten Bestand an RHB-Stoffen und Waren die Ausgangsbasis. Eine Monatsplanung, die wie eine Top Down Kalkulation angelegt ist, ist die nächste Berechnung. Die Deckungsbeitragsrechnung und die Fixkostenplanung mit der Überprüfung der Mindestumsatzgrenze ist die nachfolgende Berechnung. Der Forecast für die kommenden Monate muss parametrisiert sein und sich auf Umsätze von Artikeln mit dessen Stückliste und Arbeitsplan beziehen. Also sind sehr verlässliche Kalkulationen der Artikel notwendig, die jeweils unterschiedliche Einkaufsmengen und Einkaufspreise berücksichtigen. Darüber hinaus müssen die Offenen Posten der Kunden und Lieferanten mit Fälligkeitsdatum vorliegen.

Anwendung der Innenfinanzierung, Vor- und Nachteile des Bootstrapping

Die Vorteile für den Gründer

Unternehmer bleiben beim Bootstrapping unabhängig von Fremdkapitalgebern und lernen von Anfang an mit Geld und Ressourcen sparsam und möglichst wirtschaftlich umzugehen. Es wird zur Unternehmenskultur, aus kleinstem Aufwand den größten möglichen Gewinn und Cash-Flow zu erzielen. Die Gründer lernen also, von Anfang an sparsam und effektiv mit Ihren Mitteln umzugehen und nur die Strukturen aufzubauen, die tatsächlich für das operative Geschäft notwendig sind.

Trotz aller Widrigkeiten kann ein Unternehmer die ersten Gründungs- und Wachstumsschritte auf diese Art bewältigen, also durch sein Angebot positiven Cash Flow generieren, ohne dabei auf Fremdkapital angewiesen zu sein. Dennoch kann nach den ersten erfolgreichen Monaten oder Jahren des Aufbaus eines Unternehmens noch immer noch eine Wachstumsfinanzierung nötig werden. Dann spricht es für den Unternehmer und sein Angebot, dass er bereits ohne fremde Mittel erfolgreich war.

Autonomes Gründen und Wachsen erlaubt einem Unternehmer, immer nur in dem eigenen Tempo und nach den eigenen Qualitätsanforderungen zu arbeiten. Dadurch bleibt der Spirit in der Gründungs- und Entwicklungsphase lange erhalten.

Bootstrapping hat Grenzen und Nachteile

Auch ein sehr ausgeklügeltes Bootstrapping fordern ein Minimum an Eigenkapital. Für viele Geschäftsmodelle und Sortimente sind Anfangsinvestitionen notwendig. Viele Gründer verfügen nicht über diese geringe Menge an Eigenkapital und können daher diesen Weg nicht gehen.

Ein wirklicher Nachteil ist, dass man sehr viel Energie dafür einsetzt, trotz der sehr engen Mittel den Markt zu bearbeiten und ein Produkt zu erzeugen. Maximale Eigenleistung und höchste Fertigungstiefe im Haus sind eine logische Konsequenz, die an der Substanz der Gründer zehrt. Manchmal leidet auch die Professionalität unter den knappen Ressourcen. Maximale Auslagerung der Herstellung und des Vertriebs sind eine Alternative, durch die der Unternehmer zwar sicher kalkulieren, aber alles Know How und die gesamte Wertschöpfung aus der Hand gibt. Liquiditätsreserven kann man auf diese Art der Unternehmensführung nicht aufbauen.

Neuen Ideen und Innovationen kann der Unternehmer kaum nachgehen, weil er seine gesamte Energie und Aufmerksamkeit in die Organisation des „finanziellen Notstandes“ einsetzen muss. Marktchancen bleiben ungenutzt. Wettbewerber können sich einen Vorteil verschaffen, in dem sie Strukturen und Distribution aufbauen und besetzen. Das Unternehmen wird erst sehr spät resistent gegenüber Krisen und kämpft fortlaufend damit, zahlungsfähig zu bleiben.

Sie möchten mehr über unsere Arbeit und Erfahrungen wissen? Dann lesen Sie gerne die folgenden Beiträge.

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