Kalkulatorischen Unternehmerlohn berechnen

Den kalkulatorischen Unternehmerlohn richtig berechnen fällt in den Bereich der Kostenrechnung. Warum man in Personengesellschaften fiktive Kosten, wie den kalkulatorischen Unternehmerlohn berechnen sollte, liegt an den Besonderheiten der Rechtsformen und dem Wunsch, diese so auszugleichen, dass realistische Kosten kalkuliert und beim Benchmarking Betriebsvergleiche sinnvoll werden.

Definition Was ist der kalkulatorische Unternehmerlohn

Der kalkulatorische Unternehmerlohn gehört zu der Kalkulatorischen Kosten. Er wird in der Ergebnisrechnung berücksichtigt, wenn Unternehmer oder mitarbeitenden Mitarbeitern kein oder kein marktgerechtes Gehalt erhalten. Dies kommt vor allem in Einzelunternehmen oder Personengesellschaften vor, teilweise jedoch auch in GmbHs.

Daher wird in der Kosten- und Leistungsrechnung ein fiktiver Betrag übernommen, der einem Fremdgeschäftsführer mit der geforderten Qualifikation und Verantwortung in der gleichen Branche und Betriebsgröße entspricht. In der Finanzbuchhaltung stehen den kalkulatorischen Kosten in der Regel keine echten Aufwendungen entgegen.

Wenn in der Kostenrechnung keine Vergütung für den operativ tätigen Unternehmer berücksichtigt wird, spricht man von Selbstausbeutung. In der Kalkulation ist eine Entlohnung des Unternehmers vorgesehen.

Warum wird ein kalkulatorischer Unternehmerlohn angesetzt?

Der selbständige Unternehmer kann für sich und teilweise auch für die mitarbeitenden Familienmitglieder kein Gehalt als Kosten verbuchen. In den Personengesellschaften ist eben das Jahresergebnis die Vergütung des Unternehmers. Wenn der Unternehmer eine Vergütung für seine Position in der Kalkulation berücksichtigen möchte, muss er hierfür kalkulatorische Kosten berücksichtigen. In Fragen der Unternehmensbewertung ist ein kalkulatorischer Unternehmerlohn wichtig, damit dem Erwerber eine Ergebnissituation in dem Szenario vorliegt, dass ein Fremdgeschäftsführer anstelle des Unternehmers tritt. Die Vergleichbarkeit beim Benchmarking ist dann gegeben, wenn rechtsformabhängige Besonderheiten eliminiert sind.

Wie berechnet man heute den kalkulatorischen Unternehmerlohn?

Was ist der Hintergrund und was soll in die Kostenrechnung einfließen

Eine Besonderheit einer GmbH liegt darin, dass man die Bezüge eines Geschäftsführers, also Gehalt, Tantieme und Leistungsprämien, ebenso die Beiträge zur Sozialversicherung und der Altersvorsorge als Kosten bucht. Bei einer Kapitalgesellschaft können hierfür je nach Branche und Betriebsgröße, aber auch Aufgaben- und Verantwortungsbereich zwischen 120.000 Euro und 240.000 Euro pro Jahr oder auch deutlich mehr an Kosten entstehen.

In der Personengesellschaft wird dagegen ein Jahresergebnis ausgewiesen, das an den Unternehmer nach Abzug der Steuern ausgeschüttet wird. Die monatliche regelmäßige Vergütung kann in Personengesellschaften über Gewinnentnahmen erfolgen. Die privaten Krankenkassenbeiträge und die private Altersvorsorge können ebenfalls monatlich über die Personengesellschaft auf Entnahmen gebucht werden.

Den kalkulatorischen Unternehmerlohn berechnen

Man kann also die tatsächlichen Gewinnentnahmen als kalkulatorische Kosten in die Kostenrechnung einsteuern. Ein anderer Weg ist die Kalkulation von Kosten, wie wenn ein fremder Dritter die Aufgaben ausführen würde. Zum Beispiel wird ein Geschäftsführer einer GmbH mit Umsatzverantwortung und einem Jahresumsatz von 10,0 Mio. Euro und einem Jahresergebnis von 800 Tsd. Euro sicher nicht unter 180.000 Euro Jahresbezug sowie 40.000 Euro Tantieme und Altersvorsorge, also insgesamt 240.000 Euro  am Arbeitsmarkt zu finden sein. Als kalkulatorischen Unternehmerlohn sollte man daher in der Kostenrechnung 240.000 Euro, also 20.000 Euro monatlich, berücksichtigen.

Wenn in der Jahresbetrachtung ein Reingewinn von 200.000 Euro vorliegt, der neutrale Aufwand 80.000 Euro beträgt und der kalkulatorische Unternehmerlohn 180.000 Euro beträgt, so errechnet man daraus ein Betriebsergebnis von 100.000 Euro.

Wenn das Monatsergebnis 60.000 Euro beträgt und der Unternehmer der KG aufgrund des Drittvergleichs ein monatliches Gehalt sowie die Zulagen und Vorauszahlungen für Boni und Tantiemen von 22.000 Euro ansetzen möchte, verbleibt ein Betriebsergebnis von 38.000 Euro.

Aufgrund eines Urteiles des BGH aus 2008 ist eine formelhafte Pauschalierung des kalkulatorischen Unternehmerlohns untersagt. Damit bezog sich der BGH überwiegend auf die sogenannte Seitenformel. Man wendet sie heute jedoch nicht mehr an. Dagegen muss man die Werte individuell ermitteln, also in Abhängigkeit von der Betriebsgröße, der Branche, der Verantwortlichkeiten und der Anforderungen.

Andere Beispiele für kalkulatorische Kosten sind die kalkulatorische Miete für das Betriebsgebäude, das sich im Eigentum des Unternehmers einer Personengesellschaft befindet, ebenso die kalkulatorische Abschreibung oder kalkulatorische Zinsen für Vermögen, das der Unternehmer unverzinslich bereitstellt.

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